Der AHSC zu Düsseldorf …

Der Lattenzaun

Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Es war einmal ein Lattenzaun,
mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.

Ein Architekt, der dieses sah,
stand eines Abends plötzlich da ­

und nahm den Zwischenraum heraus
und baute draus ein großes Haus.

Der Zaun indessen stand ganz dumm,
mit Latten ohne was herum.

Ein Anblick grässlich und gemein.
Drum zog ihn der Senat auch ein.

Der Architekt jedoch entfloh
nach Afri- od- Ameriko.


Bonifatius Kiesewetter

Waldemar Dyhrenfurth

Als Erfinder und Hauptautor der bekannten Form gilt der preußische Staatsanwalt Waldemar Dyhrenfurth. Zu Beginn seines Jurastudiums trat er 1868 dem Corps Borussia Breslau bei, einer schlagenden Studentenverbindung, die innerhalb des als äußerst vornehm erachteten Dachverbandes Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV) zum grünen Kreis gehörte. Diese Corps rekrutierten sich oft aus dem Landadel und gaben sich gern rustikal. Dyhrenfurth schloss sich noch zwei anderen („blauen“) Corps an. Einige der Kiesewetter-Strophen beziehen sich konkret und sachkundig auf das Corpsstudententum.

Waldemar Dyhrenfurth soll Mitglied der Literarischen Gesellschaft „Der Osten“, die Dritte Schlesische Dichterschule gewesen sein, einer Breslauer Vereinigung von (Hobby-)Autoren, die sich auf die großen Zeiten der schlesischen Dichtkunst beriefen (siehe auch: Schlesische Dichterschule, Zweite Schlesische Schule). Die Gesellschaft wurde 1859 gegründet und musste im Jahre 1934 unter dem Gleichschaltungsdruck der nationalsozialistischen Herrschaft ihre Aktivitäten aufgeben.

Die später wie Volksliedstrophen den Originalversen hinzugedichteten Texte kann man zunächst am ehesten den Studentenliedern und der Unsinnspoesie zuordnen. Heutzutage wird man nicht wenige Rezitatoren samt nicht öffentlicher Hörergemeinde auch unter Soldaten (vermutlich aller Ränge), bei Handwerkern, Fuhrleuten und anderen Männergruppen finden.

Anfangs wurden die Verse nur mündlich überliefert, seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es auch Buchveröffentlichungen. Im Jahre 1968 wurde in deutsch-italienischer Kooperation ein Erotikfilm mit der Titelfigur produziert, der die Bordellbesuche eines Bonner Medizinstudenten zum Thema hatte.

Bonifatius Kiesewetter, dieses alte Rübenschwein,
lud man eines Tages wieder zu ´ner großen Hochzeit ein.
Auf dem Weg zum Gotteshause ging es einigermaßen noch,
aber was sich dann ereignet, spottet der Beschreibung doch.
Denn beim Vater-unser beten furzte Bonifaz so laut,
daß es selbst die stärksten Männer wirbelnd aus der Kirche haut.
Als der Priester Gottes merkte, was geschah in seinem Haus,
blickt´ er vorwurfsvoll gen Himmel, und dann ging auch er hinaus.

Moral und christliche Nutzanwendung:
Es ist beim Vater-unser-Beten
nicht unbedingt ein Furz vonnöten.

Wenn an langen Wintertagen rauh der wilde Nordwind fegt,und des Winters Sturm und Regen eisig an die Scheiben schlägt,dann erzählt die alte Muhme, wer einst Bonifazius war,wie er seine Tag´ und Nächte mit der Gräfin zugebracht,wie er – leider! – unterlegen öfter war des Bösen Macht.Doch es zieht aus jeder Weise die Moral den weisen Sinn,merkt ihn Euch, Ihr lieben Kindlein, dann habt Ihr davon Gewinn!

Wohlbekannt ist jedem Kinde, wer der stärkste Mann der Welt.

Ebenso ist ohne Zweifel, Rothschild hat das meiste Geld.Und es ist auch zweifelsohne, wer das größte Schwein im Land:Bonifazius Kiesewetter wird das Rübenschwein genannt.

Jedermann im Lande kennt
den stärksten Mann der Welt.
Ebenso besteht kein Zweifel
wer da hat das meiste Geld.
Schließlich muß in jedem Fache
einer wohl der Größte sein,
und so ist auch ohne Zweifel
festgestellt das größte Schwein.

Jeder kennt wohl seinen Namen
weit und breit im ganzen Land:
Bonifatius Kiesewetter
wird der Schweinehund genannt.

Wenn im Winter durch die Straßen
kalt und rauh der Nordwind weht
und des Abends Sturm und Regen
prasselnd an die Fenster schlägt,
wenn am traulichen Kamine
lauschend sitzt die Kinderschar,
dann erzählt Großmutter ihnen,
wer einst Kiesewetter war.

Wie er mit der Frau Baronin
seine Tag’ und Nacht’ verbracht,
wie er oftmals unterlegen
leider auch der Bösen macht.

Innig klingen ihre Worte,
traulich tut sie’s ihnen kund,
und der kleinen Augen hängen
stillverklärt an ihrem Mund.

Und aus jedem Falle zieht sie
die Moral mit weisem Sinn:
“Merkt euch’s liebe Kinder”, spricht sie,
“Dann habt ihr davon Gewinn!”

1.
Bonifatius Kiesewetter
war ein Knabe kerngesund,
aber schon in jungen Jahren
wie gesagt ein Schweinehund.
Seinem guten alten Lehrer,
der ihn liebte spat und fruh
schiffte dieser tück’sche Bube
heimlich in die Gummischuh.

Als der Lehrer das bemerkte
war es leider schon zu spat,
hochauf spritzten rings die Wogen,
als er in die Schuhe trat.

Moral:
Es ist von Pietät kein Zeichen
dem Lehrer in die Schuh’ zu seichen

2.
Bonifatius Kiesewetter,
längst als Schweinehund bekannt,
fühlte in sich das Verlangen
nach der Liebe Tändelband.
Er schlich zu der Gräfin Ziegler
auf das gute Sofa nun
und vollzog in Seelenruhe
was sonst Eheleute tun.

Eine Frau aus niedrem Stande
schreit, wenn sie’s nicht haben will,
doch die Gräfin war zu edel,
diese Frau hielt einfach still.

Moral:
Mit der Ehre einer Frau
nimmt’s das Schwein nicht so genau

3.
Bonifatius Kiesewetter
war ein Schweinehund seit je.
Und so schiß er der Baronin
heimlich in das Portemonnaie.
Hin zu einem Bücherladen
lenkt sie ihren Schritt indes,
kaufte, da sie hochgebildet,
etwas sehr Ästhetisches.

Als die Dame zahlen wollte,
und sie zahlte stets in bar,
griff sie in die blanke Scheiße,
was ihr äußerst peinlich war.

Moral:
Nur ungern nimmt der Handelsmann
statt barer Münze Scheiße an

4.
Frau Baronin hat Geburtstag
und die ganze Vetternschar
küßte ihr galant die Hände,
wie es gute Sitte war.
Bonifatius, der die Sitte
abgeschmackt und häßlich fand,
legt zum Gruß der Frau Baronin
seinen Piephahn in die Hand.

Moral:
Es bietet nie der feine Mann
zum Gruße sein Geschlechtsteil an

5.
Neulich gab die Gräfin Ziegler
eine kleine Festlichkeit,
die in allen ihren Teilen
klappte zur Zufriedenheit.
Nur als eine junge Dame
nach der Toilette wollt,
macht ihr Boni einen Vorschlag,
den man nicht gern wiederholt.

Moral:
Zu vögeln auf der Toilette
ist gegen jede Etikette

6.
Jüngst auf einem Alpenfeste,
das bekanntlich jedes Jahr,
leistete er sich ein Scherzchen
das von übler Folge war.
Einem von der Stadtkapelle,
der dort die Trompete blies,
war er längst nicht mehr gewogen,
was er ihm heute merken lies.

Heimlich schiß er die Trompete
bis zum Rande oben voll.
Als der Künstler blasen wollte,
Scheiße aus dem Rohre quoll.

Einer Dame der Gesellschaft
flog ein Klumpen ins Gesicht.
Höhnisch lachte Kiesewetter:
“Dieser Mann vergißt mich nicht”

Moral:
Scheiße im Trompetenrohr
kommt gottseidank recht selten vor

7.
Bonifatius Kiesewetter
war ein flotter Kavalier,
und so bat die Frau Baronin,
daß er eine Dame füh’r.
Agnes war erst jung vermählet,
plötzlich fragt der Schweinehund:
“Mädchen, ist denn Deine Möse
auch so groß als wie Dein Mund?”

Moral:
Man frage junge Mädchen nicht
ob Mund und Möse sich entspricht

8.
Bei dem schönen Schützenfeste,
wie es alle Pfingsten ist,
wurde eine Ehrenjungfrau
auf dem Festplatz stark vermißt.
Alles macht sich auf die Suche,
da erscheint die holde Maid,
doch sie hatte grüne Flecken
Auf des Kleides Hinterseit.

Plötzlich sah man Bonifatius
über eine Wiese ziehn,
wie bei ihr die Hinterseite
war’n bei ihm die Knie grün.

Moral:
Im grünen vögelt sich’s ganz nett,
doch reinlicher ist es im Bett

9.
Bei dem großen Preiswettkegeln
schlich Bonifatius, das Schwein,
eh’ der Kampf beginnen sollte
in die Kegelbahn sich ein.
Als der erste kegeln wollte
und die Kugel nahm zur Hand,
warf er sie nicht nach den Kegeln,
sondern schmiß sie an die Wand.

Alles fragt im Flüstertone:
“Warum streikt der junge Mann?”
Bis der zweite Kegler ausrief:
“Da klebt frische Scheiße dran!”

Moral:
Ein Vorurteil gewiß ist’s nicht,
was gegen frische Scheiße spricht

10.
Schützenfest war dieser Tage,
unser Freund wirkt heftig mit.
Es bedarf wohl keiner Frage,
daß die Gräfin drunter litt.
Endlich, ‘s war schon gegen morgen,
kam er heim mit schwerem Schritt,
um für Abwechslung zu sorgen,
bracht’ er eine ‘Dame’ mit.

Selten kamen böse Worte über der Frau Gräfin Mund,
diesmal aber rief sie schluchzend:
“Das tut nur ein Schweinehund”

Moral:
Bei Zieglers wird’s nicht gern geseh’n,
wenn Damen mit nach oben geh’n.

11.
Bonifazius Kiesewetter,
der bekannt war wie ein Schwein,
lud man jüngst, man möcht’s nicht glauben,
mal zu einer Hochzeit ein.
Auf dem Wege in die Kirche
ging es grade eben noch,
aber was sich dann ereignet,
spottet der Beschreibung doch.

Grad beim Paternoster-Beten
furzt das alte Schwein so laut,
daß es selbst die stärksten Männer
jählings aus der Kirche haut.

Als der Priester Gottes merkte,
was geschah in seinem Haus,
blickt er schmerzerfüllt gen Himmel,
und dann ging auch er hinaus.

Moral:
Es ist beim Paternoster-Beten
das Pupen grade nicht vonnöten.

12.
Eine alte Bilderbibel,
die berühmt war weit und breit,
diente der Baronen Ziegler
oft zu ihrer stillen Freud’.
Bonifaz, der selbst der Kirche
Heiligstes nicht estimiert,
dachte, wie er dieses Kunstwerk
aufs Gemeinste profaniert.

Einen Arschwisch – frisch vom Lokus -,
der von brauner Scheiße trieft,
legte er mit breitem Grinsen
grad in den Kolosserbrief.

Motto:
Ein Arschwisch, wenn er stark beschmutzt,
wird besser gar nicht mehr benutzt.
Selbst dem Frömmsten wird es übel,
wenn nach Scheiße stinkt die Bibel.

13.
Auch besaß die schöne Gräfin
ein flanellen Unterkleid,
das sie nur einmel im Monat
trug, zu einer bestimmten Zeit.
Als sie wiederum es brauchte,
suchte sie es kreuz und quer
voller Angst und großer Sorge
in dem ganzen Schloß umher,

bis sie es bei Bonifazius,
diesem alten Schweinehund fand,
der es sich beim Gartenfeste
um den Leib als Schärpe band.

Moral:
Die Schärpen auf den Gartenfesten
sind manchmal nicht die allerbesten.

14.
Frau Baronin Ziegler pflegte,
wenn sie von dem Lokus kam,
weil die Reinlichkeit sie liebte,
sich zu waschen mit dem Schwamm.
Bonifazius Kiesewetter,
der ihr dieses abgelauscht,
hat mit einem Stacheligel
heimlich diesen Schwamm vertauscht.

Als sie sich nun waschen wollte,
denn sie kam vom Scheißhaus jetzt,
hat sie mit des Igels Stacheln
sich den ganzen Arsch verletzt.

Moral:
Der Igel, selbst in Damenhänden,
läßt sich als Arschwisch schlecht verwenden.

15.
‘Eine Käfersammlung hab’ ich’,
rühmt sich Bonifaz, das Schwein.
Zur Besichtigung derselben
lud er die Baronin ein.
Doch, was sie dort schauen mußte,
hat sie wirklich sehr verdrießt,
Filzlaus sah man neben Filzlaus,
an die tausen, aufgespießt.

Moral:
Der Kenner sammelt Naturalien
nicht lediglich an Genitalien

16.
Bonifatius Kiesewetter
feierte Geburtstag heut,
und dazu hat Gräfin Ziegler
eingeladen viele Leut’.
Alle Gäste sind versammelt,
Bonifazius kommt zu spät,
endlich kommt er angerammelt,
worauf großer Lärm entsteht.

Brüllend kommt er angerannt,
vorn, der Stall steht sperrweit offen,
und die Nille in der Hand
hält er und ist ganz besoffen.

Moral:
Gehst Du zu festlichen Gelagen,
darfst Du den Schwanz nicht sichtbar tragen.

17.
Bonifazius Kiesewetter
trat einst in das Boudoir,
wo die schöne Gräfin Ziegler
grad beim Schuhzuknöpfen war.
Vorgebeugt stand diese da,
hatte nichts von ihm gehört,
doch sie ward von Bonifazen
in gemeiner Art gestört.

Mit der List des Schweinehundes,
dem ein jedes Loch bekannt,
hat mit Lust er seinen Piphahn
ihr von hinten eingerammt.

Moral:
Frauen, die sich grade bücken,
kann man auch von hinten ficken.

18.
Frau Baronin hatte Fieber,
lag auf ihres Betten Pfühl,
schleunigst rief man Bonifazen,
daß er ihr den Puls befühl’.
Bonifazius trat ins Zimmer,
und was tat das schwarze Schwein?
greift der armen, kranken Gräfin
mitten zwischen beide Bein’.

Als er sich nun überzeugt hat,
Spricht er dann ‘Soviel ich weiß,
ist es kaum was von Bedeutung,
nur die Möse etwas heiß!’

Moral:
An Stellen, die sich niemals kühlen,
ist’s laienhaft, den Puls zu fühlen.

19.
Bonifazius Kiesewetter
war seit kurzer Zeit verlobt,
als die Frau erfahren mußte,
daß im Puff er sich rumtobt.
Bonifazius mußt’ sich schämen,
und es nahte schon der Bruch,
Bonifazius weinte Tränen,
griff nach seinem Taschentuch.

Als er dieses zücken wollte,
fiel ihm ein Kondom heraus,
wütend schrie der Schwiegervater:
“Mensch, verlassen Sie mein Haus!”

Moral:
Wer Überzieher bei sich trägt,
des Schwiegervaters Zorn erregt.

20.
Bonifazius war in Halle
einstmals immatrikuliert,
doch er wurde selbstverständlich
bald darauf schon religiert.
Statt Kollegs zu frequentieren,
trieb er Unzucht früh bis spät,
mit der Tochter seiner Wirtin,
der er oft Gewalt antat.

Als er auf dem Rektorballe,
selbst im Frack und Cerevis,
mitten auf die Tafel kackte,
jedermann den Saal verließ.

Moral:
Der rechte Schweinehund ist im Fracke
genau so’n Schwein wie in der Jacke.

21.
Bonifazius Kiesewetter
war zwar impotent, doch geil,
und versuchte eines Tages
wieder mal im Puff sein Heil.
Doch, wie er auch schob und drückte
und sich wie ein Schwein benahm,
merkte sie zwar daß er fickte,
aber nicht ein Tropfen kam.

Als sie nicht mehr mittun wollte,
da er garnichts fertig kriegt,
sagte er: ‘Mir umso lieber,
eh’ nichts kommt, bezahl ich nicht.’

Moral:
Moral: Ein Schweinehund ist, wer erst fickt
und vorm Bezahlen sich dann drückt.

22.
Jahre waren schon vergangen,
da stellt er im Puff sich ein,
da die Scheißfrau ihn nicht kannte,
ließ sie arglos ihn herein.
Doch schon nach den ersten Worten
war es allen Mädchen klar,
daß der Gast, der g’rad gekommen,
ein besoff’nes Ferkel war.

Wie er diesmal sich benommen,
das spricht Schild’rung Hohn,
erst, als sie den Louis riefen,
macht er eilig sich davon.

Moral:
Es muß auch solche Ferkel geben,
wovon soll sonst der Louis leben.

23.
Jüngst. bei schönem Frühlingswetter,
sprach er eine Dame an:
‘Sie gestatten, Kiesewetter,
der bekannte Gentlemann!’
‘Kommen Sie’, so sprach die Dame,
morgen doch zu uns zum Tee,
denn wir haben große Fete,
‘s kommt zu uns die Haute Volee!’

Bonifazius, dieser Lümmel,
sprach: ‘Das läßt mich völlig kalt,
doch gestatten Sie die Frage,
wird dabei denn auch geknallt?’

Moral:
Kaum findet, wer nur denkt ans Knallen,
an literar’schen Tees gefallen.

24.
Einstmals eilte Kiesewetter
auch mal wieder ins Bordell,
wartete nicht erst zum Abend,
nein, am Tage, ‘s war noch hell.
Kaum war er im Hause drinnen,
wollt’ er schon nach oben geh’n,
doch die Dame, die ihn kannte,
wollte erst das Handgeld seh’n.

Bonifazius lachte höhnisch,
zeigte einen Taler ihr,
als das Mädchen er verarztet,
drängt er rasch sich durch die Tür.

Alles Rufen war vergeblich,
schrecklich fluchte sie alsdann,
und sie läßt seitdem zeitlebens
keinen ohne Handgeld ran.

Moral:
Mit jeder Illusion ist Schluß,
wenn man im Vorraus zahlen muß.

25.
Bonifazius Kiesewetter,
uns ja allen wohlbekannt,
fühlte wieder mal Bedürfnis,
nach der Liebe Tändelband.
Schlich sich zu der Gräfin Ziegler,
fand sie auf dem Sofa ruh’n,
und vollzog in Seelenwonne,
was sonst Ehemänner tun.

Eine Frau aus nied’rem Stande
schreit, wenn sie’s nicht haben will,
diese Frau war viel zu edel,
schweigend litt sie und hielt still.

Als er nun sein Werk vollendet,
sprach die Gräfin: ‘Hör mich an,
manchen Schweinhund lernt’ ich kennen,
keiner reicht an Dich heran!’

Moral:
Mit der Ehre einer Frau
nimmt’s der Schweinehund nicht genau.

26.
Gräfin Ziegler hat Geburtstag,
und der holden Gäste Schar
küßte ihr galant die Hände,
wie es gute Sitte war.
Bonifaz, der diese Sitte
abgeschmackt und albern fand,
legte schmunzelnd der Baronin
seinen Piphahn in die Hand.

Moral:
Nur selten baut der feine Mann
zum Gruße sein Geschlechtsteil an.

27.
Neulich war bei Zieglers Fete,
wohin jeder gerne kam,
dort war’s, wo sich Bonifazius
wieder wie ein Schwein benahm.
Kaum hat das Diner begonnen,
rief er lauten Halses barsch:
‘Hoffentlich gibt’s Reis mit Scheiße,
frisch gebuddelt aus dem Arsch’.

Und dann später beim Dessert,
rief er in noch laut’ren Ton:
‘Hoffentlich gibt’s Nillenkäse!’
Das verdroß sogar Herrn Kohn.

Moral:
Nicht immer gibt’s, was Dir beliebt,
dann ißt Du eben, was es gibt.

28.
Kürzlich auf der Gräfin Balle
schlug’s dem Faß den Boden raus,
und die Gäste riefen alle:
‘Schmeißt den Kiesewetter raus!’
Nämlich in der Kaffeepause
gab es Nüsse und Konfekt,
hier benahm er sich recht tacktlos,
nein, er war gemein direkt.

Plötzlich sieht man Bonifazius,
da der Nußknacker verlegt,
wie er mit dem Piephahn, lächelnd,
eine harte Nuß zerschlägt.

Gott sei Dank, ließ von den Gästen
einer gleich das Licht ausdreh’n,
‘Bonifaz’, rief die Frau Gräfin,
‘Das will ich nicht wieder seh’n ‘

Moral:
Hast Du den Nussknacker vergessen,
dann sollst Du keine Nüsse essen.

29.
Neulich hatte auch Geburtstag
der Frau Gräfin jüngster Sohne,
festlich wurde er begangen,
denn es war der sechste schon.
Bonifazius Kiesewetter,
dieses alte Rübenschwein,
schenkte unserm Fritze Sachen,
die schon wirklich nicht mehr fein:

Eine alte Tripperspritze,
deren Mundstück schon ganz krumm,
und, mit durchgeschwitzten Rändern,
auch ein Suspensorium.

Moral:
Das Suspensorium hat für Fritz
noch nicht den vorgeschriebenen Sitz
oder:
Schenk’ kleinen Kindern keine Sachen,
die erst im Alter Freude machen.

30.
Als er eines Tages merkte,
daß ‘ne Glatze er bekam,
kunstvoll er verschied’ne Locken
von dem Sack zur Hilfe nahm.
Leider merkt’ man’s am Geruche,
daß was nicht in Ordnung war,
‘Bonifaz’, sprach die Frau Gräfin,
‘Diesmal liegt’s an Ihrem Haar’.

Kiesewetter nickte traurig:
‘Das wär’s wenigste wohl noch,
schwerlich wohl nach Rosenwasser
riecht es auch aus Ihrem Loch.

Doch was andres ist mir peinlich,
wie Sie sich wohl denken können,
eben fühl ich eine Filzlaus
über meinen Schädel rennen.

Moral:
Die Filzlaus hat man sonst ganz gern,
dem Kopfe bleibt sie lieber fern


Wirtshaus an der Lahn

Autor? (Quelle: www.ingeb.org)

Es steht ein Wirtshaus an der Lahn,
Da kehren alle Fuhrleut’ an,
Frau Wirtin sitzt am Ofen,
Die Fuhrleut’ um den Tisch herum,
Die Gäste sind besoffen.

Die Wirtin hat auch einen Mann,
Der spannt den Fuhrleut’n selber an.
Er hat vom allerbesten
Ullrichsteiner Fruchtbranntwein
Und setzt ihn vor den Gästen.

Es stund ein Wirtshaus an der Lahn,
Das war ein toller alter Kahn.
Frau Wirtin singt zur Leier
Und alle Männer hören zu
Und kratzen sich die Ei-ei-er.

Frau Wirtin hat auch eine Bas,
Die trinkt nur aus dem Schoppenglas.
Hat sie dann eins im Dache
Dann singt sie wie ‘ne Nachtigall
‘Komm lieber Mai und mache!’

Lebt bei Frau Wirtin einst ein Bräutchen,
Das hatte noch das Jungfernhäutchen
Da kam vom Lande der Cousäng
Peng !!!

Frau Wirtin hat ‘nen Burschenschafter,
Der hat ein Mordsgeschwühr am After,
Das pinselt er sich täglich,
Mit rot-gelb-brauner Jottinktur,
Und winselt dazu kläglich.

Frau Wirtin hat nen Corpsstudent,
Der war beim Fechten ganz patent
Einst hat der dort ne Entzündung
Da zeigten an der Eichel sich
die Farben der Verbindung

Frau Wirtin hat noch einen Corpsstudent,
Der ebenfalls die Sache kennt
Und selbst im Lustgekeuche
Behielt er Band und Mütze auf
So streng sind dort die Bräuche

Frau Wirtin hat auch ein Fahrrad,
Das ist ein Ding besondrer Art.
Schwingt sie sich in den Sattel
Dann kommt sogleich ne Nadel raus
Und sticht sie in die Dattel.

Frau Wirtins Freund von der SA
Der stand dem Hauptmann Röhm sehr nah
Um dem zu imponieren
Ließ er sich rund ums Arschloch rum
Heil Hitler tätowieren.

Frau Wirtin hat auch ein’ Gendarm,
Der hatte ‘nen verbognen Arm.
Den bog sie einmal gerade,
Doch als er gerade gerade war,
Da brach er ab, wie schade.

Frau Wirtin hatt’ auch ‘nen General,
Der konnte nur im Jahr einmal,
Und war er dann recht geile,
Dann hing an seinem Hodensack,
Die Tapferkeitsmedaille.

Frau Wirtin hatt’ auch ‘nen General,
Der kam im Monat nur einmal,
Und zwar zur Periode,
Da wältzt er sich im Blut herum,
Und träumt vom Heldentode.

Frau Wirtin hat auch einen Hirt,
In dem hat sie sich schwer geirrt.
Noch blies er die Schalmei,
Doch mit des Knaben Wunderhorn
War es ach, längst vorbei.

Frau Wirtin hat auch einen Hund,
Der eine edle Kunst verstund.
Er roch an allen Winkeln,
Sobald er eine Jungfrau roch
Fing er gleich an zu pinkeln.

Doch schlecht erging es diesem Hund,
Der diese edle Kunst verstund.
Denn durch des Schicksals Waltung,
Weil er keine Jungfrau fand
Starb er an Harnverhaltung.

Frau Wirtin hat auch einen Inder,
Der vögelte nur kleine Kinder.
Doch selbst im ärgsten Lustgekeuche,
Behielt er seinenTurban auf,
So streng sind dort die Bräuche.

Frau Wirtin hat ein Kanapee,
Drauf vogelte die SED.
Doch nur die jungen Bengels,
Die alten saßen drumherum
Uns lasen Marx und Engels.

Frau Wirtin hatte auch ein Kind
Das hatte einen krummen Pint
Sie bog ihn gerade gerade
Und wie er gerade gerade war
Da brach er ab, wie schade.

Frau Wirtin hat auch einen Knecht,
Und was der tut, das ist ihr recht.
Er tut gern kurassieren,
Des morgens wenn er früh aufsteht
Kann er kein Glied mehr rühren.

Frau Wirtin hatte noch nen Knecht,
der war von zweierlei Geschlecht,
Der hatte Pint und Bunze.
Des abends liebte er als Freun Marie
und morgens als Herr Kunze.

Frau Wirtin hat auch ‘nen Lakai,
der hat im Sack ein einzig Ei.
Das andre ging ihm flöten;
bei einer Wirtschaftsschlägerei
ward es ihm abgetreten.

Frau Wirtin hat auch eine Magd,
Die sitzt im Garten und pflückt Salat.
Sie kann es kaum erwarten
Bis daß das Glöckchen zwölfe schlagt,
Da kommen die Soldaten.

Und als das Glöckchen zwölfe schlug,
Da hatte sie noch nicht genug.
Da fing sie an zu weinen,
Mit ei ei ei und ach ach ach,
Nun hab’ ich wieder keinen.

Frau Wirtin hatte noch ne Magd,
die hat noch niemals nein gesagt,
doch bei dem Knecht Horst Franke,
bei dem der Tripper grünlich floß,
da sagte Sie nein danke.

Frau Wirtin hat auch ein’ Major,
Der trägt am Schwanze Trauerflohr.
Er kann es nicht vergessen
Daß ihm die böse Syphillis
Die Eichel abgefressen.

Frau Wirtin hat auch eine Miss
Der hing im Klo die Clitoris
Hinab bis in den Trichter.
Und als die Ratten dieses sah’n,
Hei, schnitten die Gesichter!

Frau Wirtin hat auch ein Mobil
Das in der ganzen Stadt auffiel
Der Saft von ihrer Möse
Der tropfte auf ein Schaufelrad
Und trieb die ganze Schese.

Frau Wirtin hat auch einen Mohr,
Der hat ein langes Bambusrohr.
Damit schlägt er allnächtlich
Dem Nachbarn Kunz das Obst vom Baum
Ich finde das verächtlich.

Frau Wirtin hat auch einen Mohr,
Der hat ein Ding wie’n Ofenrohr.
Und um dies zu beweisen
Legt er ihn auf den Schienenstrang
Und ließ nen Zug entgleisen.

Frau Wirtin hat auch eine Nichte,
Die macht es immer mit dem Lichte.
Doch war sie in Ekstase
Schob sie den ganzen Leuchter rein
Und hinterher die Blumenvase.

Frau Wirtin hatt’ auch einen Pfaff
Der onanierte wie ein Aff
Und drehte, wichste, rollte
Und schlug noch mit der Bibel zu,
Wenns gar nicht kommen wollte.

Frau Wirtin hat auch einen Popen,
Der hat den Sack voll Isotopen.
Und wenn die beiden ficken
Dann hört man wie im ganzen Land
Die Geigerzähler ticken.

Frau Wirtin hat auch einen Satellit,
der kreist ihr ständig um den Titt.
Warum nicht um den Kitzler?
Drüber spricht im Fernsehfunk
Heut Abend Herr von Schnitzler.

Frau Wirtin hat auch einen Schmied,
Der hat ein wahres Vierkantglied.
Doch Liebe macht erfinderisch,
Er spannt es in den Schraubstock ein
Und feilte es zylinderisch.

Frau Wirtin hat auch einen Schrank,
Drei Meter hoch, fünf Meter lang.
Drin lagert sie die Rüben
Mit denen sie zur Jugendzeit
Die Onanie betrieben.

Frau Wirtin hat auch einen Sohn
Der konnt’s am ersten Tage schon
Kaum kroch er aus der Spalte
Dreht er sich auf dem Bauch herum
Und vögelte die Ahalte.

Frau Wirtin hat auch einen Sohn,
Der konnte es als Knabe schon.
Wenn es ihn einmal packte,
Dann sprang er auf den Küchentisch
Und bumste das Gehackte.

Frau Wirtin hat noch einen Sohn,
Der kann es unter Wasser tun.
Jetzt schwimmt er durch die Buchten
Mit Flossen und mit Tauchgerät
Die Fische zu befruchten.

Frau Wirtin hat auch eine Star,
Der wirklich sehr gelehrig war.
Die Wirtin, die hieß Suse,
Und wenn ein Gast ins Wirtshaus kam
Dann rief er gleich : ‘Küss Du ‘se’.

Frau Wirtin hat auch eine Star,
Das war ein Voglein, wunderbar!
Er flog mit viel Getöse
Von hinten ihr ins Arschloch rein
Und pfiff die Polonaise.

Frau Wirtin hat auch eine Tant’,
Die hatte einen ewgen Brand.
Sie stand in Flammen, glaubt man.
Der einzige der ihn löschen kann
Das war der Spritzenhauptmann.

Frau Wirtin hatte einen Tänza,
Den kriegte, ach, die Influenza
In ihre bösen Fänge.
Nun lag mit vierzig er im Bett –
Na, das war ein Gedränge…!

Frau Wirtin hat ein Töchterlein
Mit einem Möschen klein und fein,
Und dieses roch nach Veilchen
Und wenn es frisch gevögelt war
Dann – zuckt – es noch ein Weilchen.

Frau Wirtins Tochter Röschen hieß
Und sich von jedem küssen ließ.
Offiziere und Studenten,
Die zahlten jährlich fünfzehn Mark
Und wurden Abonnenten.

Frau Wirtin hat auch einen Uhu,
Dem fror im Winter das Arschloch zu.
Als kam die Zeit der Balze,
Quoll ihm statt frohem Minnesang
Die Scheiße aus dem Halse.

Frau Wirtin hat auch einen Vetter,
Der rauchte nur bei schönem Wetter.
Mal tat er’s bei Gewitter,
Da haute ihm ein Kugelblitz
Den Pfeifenkopf in Splitter.